Private Krankenversicherung: Schützenhilfe Einheitsbeitrag
15. Okt 2008 von Wolfgang
Die privaten Krankenversicherer werden im nächsten Jahr die Preise erhöhen. Die Verkäufer und Vermittler der privaten Policen rühren die Werbetrommel, damit noch in diesem Jahr möglichst viele private Krankenversicherungen abgeschlossen werden.
Sie könnten sich vermutlich über zahlreiche Erfolge freuen, denn die Bundesregierung liefert den privaten Krankenversicherern wunderbare Verkaufsargumente. Mit der Heraufsetzung des allgemeinen Krankenkassenbeitrages auf 15,5 Prozent würden viele gern der gesetzlichen Krankenversicherung den Rücken kehren, wenn sie nur könnten. Die Regierungskoalition hat diese Hürden aber hoch gesetzt, denn nur wer über der Versicherungspflichtgrenze verdient, kann von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung (PKV) wechseln. Auf diese Weise wird der Zugang zur PKV fast blockiert.
Private Beiträge steigen
In einem Interview des “Tagesspiegel” mit Roland Weber, Vorstandsmitglied der Debeka-Versicherungsgruppe, kündigte Weber an, dass im nächsten Jahr die Versicherungsbeiträge in der privaten Krankenversicherung generell um 15 Prozent steigen werden. Grund für diese Steigerung sind neue Gesetzesvorgaben. Wer im nächsten Jahr eine private Krankenversicherung abschließt, hat das Recht, später den Anbieter zu wechseln. Bei diesem Wechsel kann ein Teil der Altersrückstellungen mitgenommen werden. Zum Unterschied von bereits bestehenden Verträgen hat dieses Wechselrecht keinerlei zeitliche Begrenzung. Die gesetzlich festgelegte neue Leistung belastet die Unternehmen und treibt die Preise in die Höhe.
Warnung vor unüberlegtem Handeln
Trotzdem warnt Ulrike Steckkönig, Mitarbeiterin der Stiftung Warentest davor, sich unbedingt noch in diesem Jahr in die private Krankenversicherung hetzen zu lassen. Es muss sich jeder individuell darüber klar werden, was ihm wichtiger ist. Höhere Beiträge im kommenden Jahr bedeuten auch größere Freiheiten, die sich dann vielleicht irgendwann bezahlt machen. Roland Weber meint jedoch, dass die hohen Beiträge lebenslang eben hohe Beiträge sind und die Wechselbereitschaft seiner Klientel nicht so deutlich ausgeprägt sei. Es stellt sich also für jeden individuell die Frage, ob sich die höheren Beiträge tatsächlich auszahlen werden.
Urteile zum Basistarif im nächsten Jahr
Der “Tagesspiegel” hat Roland Weber auch zu der Klage der Debeka gegen die Gesundheitsreform befragt. Gemeinsam mit anderen privaten Versicherern hatte die Debeka Verfassungsbeschwerde gegen den neuen Basistarif eingereicht. Mit einer Entscheidung wird nicht vor dem nächsten Jahr gerechnet. Trotzdem muss der Tarif bereits ab 2009 angeboten werden. Vom Gesetzgeber praktisch aufgezwungen, soll der Basistarif den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen. Er darf auch keinesfalls teurer sein. Er soll Rückkehrer auffangen, die in der PKV versichert waren und nun keine Krankenversicherung mehr haben. Er steht auch für Menschen zur Verfügung, die den steigenden Prämien nicht mehr gewachsen sind. Wechseln können “Altversicherte” im ersten Halbjahr 2009 auch zu anderen Versicherern in deren Basistarif, müssen dann aber 18 Monate in diesem Tarif bleiben.
Zu viel und zu wenig
Vor allem dieser Basistarif ist Roland Weber ein Dorn im Auge. Die gesamte Gesundheitsreform bringt für ihn nichts als Unruhe und Verwerfungen. Er meint, dass die Kranken wie Gefangene im kollektiven Versicherungssystem festsitzen, denn nur die Gesunden dürfen wechseln. Er hält den Basistarif für eine Fehlkonstruktion. “Für die, die einen privaten Versicherungsschutz wollen, bietet er zu wenig. Für das, was er bietet, ist er zu teuer.”
