Ältere Verkehrsteilnehmer sind besser als ihr Ruf
27. Okt 2008 von Jutta
Senioren am Steuer gefährden die Verkehrssicherheit. Das ist ein weit verbreitetes Vorurteil, das jetzt durch Auswertungen zahlreicher Unfallstatistiken als völlig falsch entlarvt wurde. Allianz-Vorstand Karl-Walter Gutberlet bezeichnet solche Voreingenommenheiten als völligen Unsinn.
Die demografische Diskussion ist ja allerorten entflammt. Jeder weiß inzwischen, dass die Deutschen immer älter werden, und jeder kennt die daraus folgenden Renten- und Gesundheitsprobleme. Also wird es auch immer mehr ältere Autofahrer geben. Die Senioren im Straßenverkehr werden oft als Gefahr für die anderen bezeichnet. Schlechtes Sehen, mangelnde Reaktionsfähigkeit oder drohende Schwächanfälle sollen für alle Verkehrsteilnehmer hinderlich und gefährlich sein.
Das ist einfach ein Märchen. Senioren über 65 sind eher Opfer als Unfallverursacher. Das sagt jedenfalls Christoph Lauterwasser, Geschäftsführer der AZT Automotive GmbH, ein Allianz-Ableger für Verkehrsforschung. Mit 23 Prozent war der Anteil der Senioren an getöteten Verkehrsopfern in den Jahren 2006 und 2007 überproportional hoch. Besonders gefährdet sind ältere Fußgänger oder Radfahrer. Die Schuld an solchen Unfällen liegt aber nur selten bei den Senioren selbst. Das gleiche Bild zeichnet sich auch in anderen Ländern ab.
Im Vergleich mit den 18- bis 24jährigen verursachen die älteren Damen und Herren deutlich weniger Personenschäden oder schwere Sachschäden. Auch die Fahrleistung der Senioren lässt weniger deutlich nach als viele vermuten würden. Pro eine Million Kilometer verursachen die 65- bis 74jährigen 0,6 schwere Unfälle. Damit liegen sie im gleichen Bereich wie die 25- bis 34jährigen. Erst bei den Verkehrteilnehmern jenseits der 75 werden die Unfallzahlen schlechter. Aber selbst dann erreichen sie nur die Hälfte der Ergebnisse der 21- bis 24jährigen.
Die Gründe sind häufig in falschen Einschätzungen von schwierigen und komplexen Situationen zu suchen, weniger jedoch in überhöhter Geschwindigkeit. Alle Beteiligten an den Untersuchungen können die Notwendigkeit für schärfere Gesetze, für häufige und strengere Überprüfungen altere Verkehrsteilnehmer nicht sehen. Es gibt auch keine Unterschiede im Verglich zu Ländern, die beispielsweise Gesundheitsüberprüfungen vorschreiben. Eine sinnvolle Maßnahme wären da eher der verstärkte Einbau von Fahrer-Assistenzsystemen. Damit würde sowohl die aktive als auch die passive Sicherheit erhöht.
