Private Krankenversicherung: Runter mit den Preisen
29. Dez 2008 von Wolfgang
Die privaten Krankenversicherer blasen zum Angriff. Für neue Kunden haben führende Unternehmen der Branche eine neuartige Tarifstruktur vorgelegt. Billigtarife sollen Mitglieder anwerben. Ob und wie lange das Erfolg versprechen wird, weiß niemand genau.
Die Gesundheitsreform wirft auch bei den privaten Krankenversicherungen (PKV) ihre Schatten voraus. Experten sagen auf dem privaten Sektor kräftige Preissteigerungen voraus. Die Deutsche Krankenversicherung (DKV) und die Victoria Krankenversicherung, beides Unternehmen der ERGO-Gruppe, sind zum 11. August diesen Jahres mit neuen Tarifen angetreten. Der Vorstand der ERGO-Gruppe Günter Dibbern hat ein Ziel gesetzt: „Wir wollen zu den besten fünf Anbietern gehören.“ Der Vorstand setzt die privaten Krankenversicherer sehr unter Druck, denn er verlangt Gewinnmaximierungen und Kostenabbau.
Kleine Beiträge sollen beeindrucken
Bisher haben die beiden Krankenversicherer bei Preisvergleichen nicht sonderlich gut abgeschnitten. Sie landeten immer auf den hinteren Plätzen der 48 Unternehmen der PKV. Nun wollen DKV und Victoria diesen Zustand beenden. Im Durchschnitt werden die Prämien der neuen Tarifgruppen um ein Drittel gesenkt. Günter Dibbern gibt sich kämpferisch: “Unsere Produktfamilie ist flexibel, transparent, leistungsstark und hart kalkuliert.”
Keine Welle von Überläufern erwartet
Diese Kampfansage richtet sich nicht nur an die private Konkurrenz. Auch die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) werden eine derartige Entwicklung mit Skepsis und Sorge verfolgen. Mit der Einführung des Gesundheitsfonds zum 01. Januar 2009 werden viele Krankenkassen ihre Beiträge erhöhen müssen, denn der Einheitsbeitrag wird bei 15,5 Prozent liegen. Da wäre es doch möglich, dass so mancher “Besserverdiener” Überlegungen anstellt, ob eine private Krankenkasse nicht günstiger wäre. Doch trotz aller Lockangebote wird es kaum eine Massenbewegung hin zu den privaten Krankenversicherern geben.
Wettbewerb wird immer heftiger
Tim Ockenga von der Ratingagentur Fitch sieht das ähnlich. Er meint, dass die Änderungen der Gesundheitsreform überall Hindernisse für die PKV auftürmen. Wie ein drohendes Gewitter hängen bange Befürchtungen über der Branche, dass weitere Reformen auch weiterhin schlechte Rahmenbedingungen zur Folge haben werden. Diese argwöhnischen Erwartungen verschärfen den Wettbewerb zwischen den privaten Krankenversicherern. Der ohnehin starke Konkurrenzkampf mit Abwerbungen und Preiskämpfen wird durch die unsichere und aufgeheizte Situation unter der Gesundheitsreform noch angeheizt. Der Vorstand der “HUK-Coburg”, Christian Hofer glaubt, dass die Offensive der ERGO-Krankenversicherer vorrangig die Wechsler innerhalb der PKV meint.
Prognosen sind kaum möglich
Denn erst im nächsten Jahr werden die ungefähr acht Millionen freiwillig Versicherten im System der GKV die finanziellen Folgen der Gesundheitsreform richtig zu spüren bekommen. Wenn sie zur Kasse gebeten werden, könnte das die Bereitschaft zum Systemwechsel deutlich erhöhen. Bis dahin aber wollen die Krankenversicherer der ERGO-Gruppe offensichtlich innerhalb ihres Systems Punkte sammeln. Das ist möglich, denn bis Ende September haben Versicherte der PKV ein reguläres Kündigungsrecht. Sollte ein Versicherer die Prämien ab 2009 erhöhen, gilt ein Sonderkündigungsrecht. Doch diese Hebelwirkung wird nicht überall anzusetzen sein. Denn etliche private Krankenversicherungen, zum Beispiel die Debeka und die Central, wollen ihre Beiträge bis zum Ende des kommenden Jahres stabil halten. Auch bleibt die Frage, wie sich die Pflichtversicherten ohne Krankenversicherung zum Jahresanfang 2009 verhalten werden.
