Auszahlung der Lebensversicherung: Top oder Flop?
21. Feb 2009 von Jutta
Hat man vor vielen Jahren eine Kapital-Lebensversicherung abgeschlossen, hofft man bei der Auszahlung auf das große Geld. Doch diese Hoffnung könnte enttäuscht werden. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Summe sehr viel niedriger ausfallen als erwartet.
Das ist vollkommen üblich, sagen Verbraucherschützer. Die Kunden müssen diese Tatsache einfach hinnehmen, meint Hedwig Telkamp, Expertin für Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Bayern. Für ein Versicherungsunternehmen besteht keine Verpflichtung zu einer genauen Abrechnung, die ins Detail geht. Zweifelt der Versicherungsnehmer an der Richtigkeit der Berechnungen, gibt es die Möglichkeit, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einzuschalten.
Krisen schmälern die Rendite
Doch eine solche Überprüfung kann sehr lange dauern. Nach allen Erfahrungen ist es nur ein sehr kleiner Teil von Beschwerden, die erfolgreich sind. Man sollte sich aber die Summe zunächst nur unter Vorbehalt auszahlen lassen, um die Dinge zu prüfen. Denn immerhin ist es unangenehme Realität, dass die Börsenturbulenzen zu Anfang des Jahrtausends und die aktuelle Krise die Ursache für die schlechten Zuwächse sind. Es ist tatsächlich einfach weniger Geld da. In den 1980er Jahren waren die Prognosen über die Versicherungssummen ausgesprochen optimistisch. Aber es sind eben nur Vorhersagen und Schätzungen gewesen, keinesfalls aber Garantien. Aktuell sind nur die 2,25 Prozent Mindestverzinsung garantiert.
Rechtzeitige Prüfung beugt Überraschungen vor
Es kann richtig unangenehm werden, wenn eine Lebensversicherungspolice zur Finanzierung einer Wohnung oder eines Hauses abgeschlossen wurde, früher eine durchaus übliche Art der Immobilienfinanzierung. Doch wenn dann die ausgezahlte Summe bei weitem nicht ausreicht, um die Hypothek abzulösen, kann das schlimme Folgen haben. Hedwig Telkamp meint, man solle sich frühzeitig ausrechnen lassen, wie es mit der Auszahlung aussieht. Dann ist noch Zeit, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Vielleicht kann man die Police verkaufen. Inzwischen gibt es einige Firmen, die sich speziell für Policen mit Restlaufzeiten interessieren.
Kündigung vermeiden
Alternativ kann man die Kapital-Lebensversicherung auch beitragsfrei stellen. Das Geld, das bisher eingezahlt wurde, bleibt dann beim Versicherer. Es wird verzinst und zum vereinbarten Termin ausgezahlt. Aber die monatlichen Prämien fallen weg – Geld, das man vielleicht gewinnbringender anlegen kann. Denn die Kündigung einer laufenden Kapital-Lebensversicherung bringt fast immer Verluste. Ein solcher Schritt will trotz aller Unwägbarkeiten gut überlegt sein.
