Gläserner Bürger: Versicherungen prüfen immer öfter Bonität
16. Mai 2009 von Jutta
Eigentlich solle man annehmen, dass sich Versicherungen freuen, wenn sie Verträge abschließen können, denn schließlich ist genau das ihr Geschäft. Doch nicht jeder Antragsteller ist bei den Versicherungen willkommen, wie ein Bericht des ARD-Wirtschaftsmagazins PLUSMINUS belegt.
Es ist der Fall einer Mutter, die sich und ihre Familie bei der WGV mit einer Haftpflichtversicherung absichern wollte. Der Schuldnerberater hatte zu einer solchen Versicherung geraten. Die Versicherungsgesellschaft teilte der Frau mit, dass man zur Zeit nicht an einer Geschäftsbeziehung interessiert sei. Der Grund für diese Ablehnung war eine Bonitätsprüfung, die die Versicherung von einer “Auskunftei” durchführen ließ. Die Prüfung hatte negative Ergebnisse. Diese Auskunftei sucht beispielsweise nach Schufa-Einträgen oder überprüft, ob es eine private Insolvenz gibt. Die Antragsteller werden darüber aber nicht informiert, weil das nach Aussagen der WGV in den allgemeinen Verbraucherbestimmungen und –informationen zu finden ist.
Kaum Risiko bei Haftpflicht
Die Bonitätsprüfungen kennt man eigentlich nur von Banken, die sich bei einer Kreditvergabe absichern wollen. Aber bei einer Versicherung, die knapp 60 Euro jährlich kostet, erwartet man das eigentlich nicht. Die Familie, um die es in dem Bericht ging, hatte zwar finanzielle Probleme, hätte jedoch die Versicherungsbeiträge durchaus aufbringen können. Außerdem ist das Risiko für die Versicherungsgesellschaft recht gering. Denn wenn tatsächlich die Zahlungen ausbleiben, dann verfällt auch der Versicherungsschutz.
Datenschützer sind alarmiert
Die WGV argumentiert, dass es nicht nur um nicht gezahlte Prämien geht, sondern um die Mahngebühren und den bürokratischen Aufwand. Außerdem wolle man einen möglichst guten Kundenkreis haben, um die Prämien insgesamt niedrig halten zu können. Doch Datenschützer sehen noch ganz andere Gründe für die Durchleuchtung von Neukunden der Versicherungen. Mit Hilfe der Bonitätsüberprüfungen könnten sich die Unternehmen vergewissern, ob ein potentieller Kunde liquide ist oder nicht. Wer nicht viel Geld hat, der geht nicht so schnell vor Gericht, wenn die Versicherung eine Leistung verweigert. Versicherungen könnten so versuchen, Zahlungen zu verzögern oder gar nicht erst zu leisten.
Bedenkliche Überprüfungen
Datenschützer sind diesen Bonitätsabfragen kritisch gegenüber. Solche Erkundigungen sind nur dann zulässig, wenn die Unternehmen berechtigtes Interesse haben, was aber nur bei einem sogenannten “kreditorischen Risiko” der Fall ist. Doch eine finanzielle Vorleistung ist bei einer Schadensversicherung nicht üblich. Diese Praxis aber greift offensichtlich um sich. Immer mehr Versicherungen starten solche Bonitätsabfragen, wenn auch nicht bei jedem Antrag. Es laufen bereits Verhandlungen zwischen Datenschützern und der Versicherungswirtschaft, damit nicht noch mehr Bürger überprüft und durchleuchtet werden.
