Fusionen: Barmer und Gmünder Ersatzkasse unter einem Dach
25. Sep 2009 von Jutta
Zu Anfang des kommenden Jahres wird die größte gesetzliche Krankenkasse in Deutschland entstehen. Die Barmer Ersatzkasse (BEK) und die Gmünder Ersatzkasse (GEK) werden sich zu diesem Zeitpunkt zusammenschließen. Damit scheint ein Höhepunkt der Fusionswelle der Krankenkassen erreicht.
Die neue Krankenkasse wird 8,6 Millionen Versicherte betreuen. Die Gründe für die Fusion sind vielfältig. Wirtschaftliche Vorteile, Stabilität, ausgereifter Service und verbesserte Angebote für die Versicherten waren die wichtigsten Gründe für den Beschluss zur Fusion. Man könnte von einer “Elefantenhochzeit” sprechen, mit der sich die Krankenkassen auf die Herausforderungen des nächsten Jahres vorbereiten wollen. “Das Ziel ist eine extrem stabile Kasse”, sagt GEK-Chef Rolf-Ulrich Schlenker. Die gesetzlichen Krankenkassen rechnen im zweiten Jahr nach der Einführung des Gesundheitsfonds mit steigendem finanziellen Druck. Auch wirft die Bundestagswahl ihre Schatten voraus, deren Ausgang große Auswirkungen auf das Gesundheitswesen haben könnte.
Einfluss durch Größe
Deshalb kann eine große, mitgliederstarke Krankenkasse nur Vorteile haben. Sie hat größere Macht bei Verhandlungen, ob nun mit Ärztevereinigungen oder Pharmafirmen. Die Geschäftsstellen könne sich ergänzen, qualifizierte Leistungen und hohe Servicequalität sind so möglich. “Konkret soll sich ändern, dass die Leistungspaletten von GEK und Barmer zusammenkommen”, sagt Herr Schlenker. Die Gmünder Ersatzkasse allein hätte zudem im nächsten Jahr Zusatzbeiträge erheben müssen. Die Krankenkassen fürchten diese Zusatzbeiträge wie der Teufel das Weihwasser, denn das könnte zu Kundenabwanderungen führen. Durch die Fusion können Kosten besser im Zaum gehalten werden, zum Beispiel durch günstige Verträge.
Vorteile
So sieht das auch Johannes Vöcking, der Vorstandschef der BEK. Er sprach von einem Meilenstein. “Zwei starke Partner können ihre Kompetenzen in einem zunehmend wettbewerbsorientierten Gesundheitswesen bündeln und im Sinne ihrer Versicherten einsetzen.” Die beiden Krankenkassen werden einen Marktanteil von rund 13 Prozent erreichen. Trotzdem sieht Rolf-Ulrich Schlenker den Zusammenschluss nicht als Bedrohung für andere Krankenkassen. Es sind weitere Kooperationen geplant, grundsätzlich soll die Grundlage der Arbeit breit gefächert und so stabil wie möglich sein.
Kein Ende in Sicht
Auch wenn die BEK-GEK-Fusion eine Art Höhepunkt ist, wird das nicht der letzte Zusammenschluss sein, über die man zu berichten hat. Die Fusionen sind politisch gewollt, denn für Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sind rund 50 Krankenkassen vollkommen ausreichend. Die Zahl der Krankenkassen ist bereits jetzt von über 200 um mehr als 20 geschrumpft. Es gibt keinen Wettbewerb über die Beiträge mehr, denn seit der Einführung des Gesundheitsfonds liegt der Beitragssatz einheitlich bei 14,9 Prozent. Auch die Jagd nach gesunden Mitgliedern hilft den Krankenkassen nicht weiter, denn es gibt mehr Geld aus dem Fonds für kranke und ältere Mitglieder. Trotz mehrfacher Reformen steigen die Kosten immer weiter. Ärzte, Arzneimittel und Kliniken müssen gezahlt werden, und gerade bei kleineren Kassen bleibt nur der Ausweg über Zusatzbeiträge von den Versicherten. Es sei denn, man findet einen Fusionspartner.
Keine Nachteile für Versicherte und Beschäftigte
“Für die Versicherten haben solche Fusionen erfreulich wenig Auswirkungen – insbesondere, wenn Kassen fusionieren, die schon ähnlich strukturiert sind.” Diese Erfahrung hat Ulrike Steckkönig gemacht. Sie ist die Expertin für Gesundheitsfragen der Zeitschrift “Finanztest”. Sollte es Änderungen in der Satzung geben, so ist die neue Krankenkasse nicht verpflichtet, ihren Versicherten diese Änderungen bekannt zu geben. Da müssen sich die Mitglieder schon selbst bemühen und sich danach erkundigen. Die Mitarbeiter der beiden Krankenkassen sollen ebenfalls nichts zu befürchten haben, denn ihre beide Krankenkassen wollen den Erhalt der Arbeitsplätze garantieren.
