Policendarlehen: Kredit aus der eigenen Lebensversicherung
13. Nov 2009 von Jutta
Policendarlehen sind eine gute Möglichkeit, bei finanziellen Engpässen zu günstigen Bedingungen an Geld zu kommen. Policendarlehen sind eine Möglichkeit, bestehende Lebens- oder Rentenversicherungen zu beleihen. Oft gibt es für diese Darlehen günstige Zinssätze.
Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland mehr als 90 Millionen Lebensversicherungen. Doch es gibt nur wenige Versicherungsnehmer, die ihre eingezahlten Beiträge als Möglichkeit zur Finanzierung nutzen. Auch wenn nach Angaben der Versicherer im Jahr 2008 lediglich 1,6 Milliarden Euro an Policendarlehen ausgezahlt wurden, so sind das doch immerhin 30 Prozent mehr als im Jahr 2007. Man kann ein solches Darlehen zur Überwindung eines akuten Geldbedarfes benutzen. Deshalb meint Stefanie Rösch, die Pressereferentin der SV Sparkassenversicherung, dass der Markt in der aktuellen Lage sicherlich wachsen könne.
Sicheres Geld
Was ist das eigentlich, ein Policendarlehen? Man beleiht das eigene Geld, sprich die Beiträge, die bereits in eine Lebens- oder Rentenversicherung eingezahlt wurden. Die Sicherheiten sind vorhanden, es gibt also kein Kreditausfallrisiko. Auch eine Meldung an die SCHUFA oder Nachfragen sind deshalb nicht nötig. Der Versicherungskunde bekommt das Geld, weil er durch seine Einzahlungen sichere Ansprüche an das Versicherungsunternehmen hat.
Nur laufende Verträge
Es liegt in der Natur der Sache, dass der Antrag auf ein Policendarlehen nur dann Sinn macht, wenn der Rückkaufswert entsprechend vorhanden ist. Berechnet wird die Höhe des möglichen Darlehens nach eben diesem Rückkaufswert und den angefallenen Überschüssen. Davon wird die Kapitalertragssteuer abgesetzt, und so berechnet sich die größtmögliche Kreditsumme. Der Gesamtbetrag oder auch nur einen Teil davon kann in ein Darlehen umgewandelt werden. Ein Policendarlehen ist ein sogenanntes „endfälliges Darlehen“. Das bedeutet, dass während der gesamten Laufzeit nur die Zinsen gezahlt werden müssen, aber keine Tilgung.
Zahlenspiel
Ein Rechenbeispiel: Wenn ein Versicherungsnehmer seine Lebensversicherung zu einem Zeitpunkt beleiht, an dem der Rückkaufswert 25.000 Euro hoch ist, kann er als Kredit eben diese 25.000 Euro bekommen. Wenn dann nach einigen Jahren die gesamte Versicherungssumme von 40.000 Euro fällig wird, bekommt der Versicherungsnehmer noch 15.000 Euro ausbezahlt. Der Rest wird zur Tilgung des Darlehens genutzt. Das muss aber nicht zwingend so laufen, denn eine Tilgung ist auch vorher möglich. Dabei muss keine Vorfälligkeitsentschädigung gezahlt werden.
Nachteile
Doch ein Policendarlehen gibt es nicht ohne Einschränkungen. In der Regel werden nur aktiv laufende Verträge beliehen. Beitragsfreie Versicherungen werden im Normalfall nicht beliehen. Außerdem wird oft nur der garantierte Rückkaufswert beliehen, bei strengen Bedingungen auch nur zum Teil. Die Zinsen sind sehr unterschiedlich. Die Bandbreite reicht hier von zehn Prozent bis zu den Anbietern auf dem Zweitmarkt, die bereits für unter fünf Prozent Zinsen zu haben sind.
Zustimmung nötig
Es gibt eine weitere wichtige Einschränkung: Die in der Lebensversicherungspolice genannten Bezugsberechtigten müssen mit der Beleihung einverstanden sein. Ist eine Versicherungspolice bereits als Sicherheit genutzt worden, muss auch hier das Einverständnis eingeholt werden. Gerät der Versicherte mit den Zahlungen in Rückstand, ist der Versicherer zur Kündigung des Darlehens berechtigt. Will man das in einer solchen Situation vermeiden, kann die Versicherungssumme in dem benötigten Umfang verringert werden.
